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Claude Berri

  • Geboren am Sonntag, 1. Juli 1934
  • Geboren in Paris, Frankreich
  • Gestorben am Montag, 12. Januar 2009
  • Gestorben in Paris, Frankreich

Kürschnersohn Claude Berri begann seine Karriere als Schauspieler. Schon früh war ihm die Verbundenheit zur darstellenden Kunst bewusst geworden. Folgerichtig besuchte er in den Fünfzigerjahren eine Schauspielschule und bekam bald erste Rollen im Theater und beim Film. Ungenannte erste Auftritte hatte er etwa in Werken wie Jean Renoirs Komödie "French Cancan" (1954) an der Seite von Jean Gabin oder in Hervé Brombergers "Ich begehre dich" (1959). Auch später, als Berri vorwiegend inszenierte und produzierte, blieb er seinen Anfängen treu und übernahm immer wieder kleinere, ungenannte Rollen, darunter in Henri-Georges Clouzots Drama "Die Wahrheit" (1960), in Claude Chabrols Melodram "Die Unbefriedigten" (1960) oder auch in Fred Zinnemanns Drama "Deine Zeit ist um" (1963).

Doch Berri zog es mit Macht auf den Regiestuhl, zunächst schrieb er allerdings das Drehbuch für Maurice Pialats Kurzfilm "Janine" (1961), bevor er mit dem Kurzfilm "Le Poulet" sein Regiedebüt gab, der 1966 sofort den Oscar als bester Kurzfilm gewann. Sein eindrucksvolles Langfilmdebüt entstand schließlich 1967 mit der brillant inszenierten und gespielten Tragikomödie "Der alte Mann und das Kind", die stark autobiographisch gefärbt war. In der Folgezeit schrieb Berri oft nicht nur das Buch und führte Regie, sondern spielte selbst mit. Diese Serie endete 1980, nach der Trennung von seiner ersten Frau Anne-Marie Rassam, mit "Je vous aime" (1980), einer heiteren Reflexion über das Eheleben mit Catherine Deneuve und Gérard Depardieu. In der Zwischenzeit hatte Berri sich nämlich ein neues Tätigkeitsfeld erschlossen: Fortan produzierte er mehr Filme, als er je selbst inszenieren sollte.

So war bereits die Komödie "Die Hochzeit" (1969) von Berris Produktionsfirma "Renn Productions" eigenproduziert. Im Jahr zuvor hatte Berri Pialats Sozialdrama "Die nackte Kindheit" in die Kinos gebracht, und zehn Jahre später standen bereits Filme wie Roman Polanskis Literaturverfilmung "Tess" mit Nastassja Kinksi auf dem Plan. Das Spektrum der von Berri produzierten Filme wurde immer größer und reichte von populären Komödien bis hin zu Autorenfilmen wie Patrice Chéreaus Milieustudie "Der verführte Mann" (1983) oder Jacques Demys Komödie "Trois places pour le 26" (1988). Zeit seines Lebens hatte Berri nicht nur einen hervorragenden Riecher für qualitativ hochwertige Drehbücher, sondern erwies sich als Produzent früher Filme von Regisseuren wie Jacques Rivette, André Téchiné, Patrice Chéreau, Jacques Doillon und zuletzt Yvan Attal mit dessen "Meine Frau die Schauspielerin" und Dany Boon mit dem Kinohit "Willkommen bei den Sch'tis" (2008) als Förderer vielversprechender Talente.

Doch Berris Augenmerk lag nicht nur auf der Talentförderung, sondern er arbeitete auch gern mit etablierten Erfolgsregisseuren zusammen. So entstanden unter seiner finanziellen und tatkräftigen Mitwirkung etwa Claude Sautets Romy-Schneider-Drama "Eine einfache Geschichte" (1977), Milos Formans Liebesfilm "Valmont" (1989), für Jean-Jacques Annaud produzierte er das Natur-Drama "Der Bär" (1988) und den Liebesfilm "Der Liebhaber" (1991), mit Patrice Chéreau verwirklichte Berri das Star besetzte Historiendrama "Die Bartholomäusnacht" (1994), mit Volker Schlöndorff die Michel-Tournier-Verfilmung "Der Unhold" (1996), mit Pedro Almodóvar "Alles über meine Mutter" (1999) und mit Constantin Costa-Gavras "Der Stellvertreter" (2002). Darüber hinaus bewies Berri Risikofreude bei der Produktion der Comic-Verfilmungen "Asterix und Obelix gegen Caesar" (1998) und "Asterix und Obelix: Mission Kleopatra" (2002).

Doch wie bereits erwähnt: Berri ließ sich nie auf ein Tätigkeitsfeld beschränken, denn neben seiner Rolle als Erfolgsproduzent schrieb er selbst weiter Drehbücher und nahm auf dem Regiestuhl Platz. So ist etwa sein Krimidrama "Am Rande der Nacht" (1983) mittlerweile ein Klassiker, seine zweiteilige Verfilmung von Marcel Pagnols berühmtem Provence-Roman "Die Wasser der Hügel", die 1985 unter den Titeln "Jean de Florette" und "Manons Rache" entstanden. Großes Aufsehen erregte auch sein Bergarbeiterfilm "Germinal" mit Gérard Depardieu, den er nach dem berühmten Roman von Émile Zola inszenierte und der seinerzeit der teuerste französische Film aller Zeiten war. 1996 schließlich drehte Berri nach dem autobiographischen Roman von Lucie Aubrac den Historienfilm "Lucie Aubrac", der die Geschichte eines Ehepaars erzählt, das während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der französischen Résistance kämpfte.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Anne-Marie Rassam und seines ältesten Sohnes Julien wandte Berri sich wieder stärker persönlichen Themen zu. In der Komödie "La débandade" (1999) erforschte er ein Eheleben von der ersten Begegnung bis zur Trennung. An der Seite von Fanny Ardant spielte der Regisseur und Drehbuchautor in diesem Film selbst die Hauptrolle des Claude Langmann (so sein eigentlicher Geburtsname). Die Komödie "Une femme de ménage" (2002) dagegen basiert auf dem gleichnamigen Roman des französischen Autors Christian Oster und erzählt von einem verlassenen Ehemann, der ein Verhältnis mit seiner Putzfrau anfängt. "L'un reste, l'autre part" hingegen (2005) trug wieder wieder autobiographische Züge und vermischte komische mit dramatischen Elementen Mit "Zusammen ist man weniger allein" verfilmte Berri nach "Une femme de ménage" nun zum zweiten Mal einen zeitgenössischen französischen Roman. Wie in vielen seiner Filme pendelt auch diese Komödie zwischen der Hinwendung zur Literatur einerseits und dem Aufarbeiten persönlicher Erfahrungen in autobiographisch gefärbten Drehbüchern und Filmen andererseits hin und her.

Weitere Filme von Claude Berri als Regisseur, Autor und Darsteller: "Le cinéma de papa", "Le pistonné" (beide 1970), "Sex-shop" (auch Darsteller), "L' oeuf" (nur Buch, beide 1972), "Le mâle du siècle" (1976) "Die kleinen Französinnen - Das erste Mal" (1976), "Aller Anfang macht Spaß" (1977), "Je vous aime" (1980), "Le maître d'école" (1981), "Scemo di guerra" (1985, nur Buch), "Uranus" (1990). Weitere Filme als Darsteller: "Les jeux dangereux" (1958), "Auf euren Hochmut werde ich spucken", "Cristobal de Lugo" (beide 1959), "Les lâches vivent d'espoir", "In Freiheit dressiert" (beide 1961), "Die sieben Hauptsünden" (1962), "Mord im Fahrpreis inbegriffen" (1965), "La ligne de démarcation" (1966), "Stan the Flasher" (1990), "Die Maschine" (1994), "Alles kein Problem!" (auch Produzent, 1995), "Didier" (1997), "Un grand cri d'amour" (1998), "Va Savoir", "Les rois mages" (beide 2001), "Ils se marièrent et eurent beaucoup d'enfants" (2004).

Weitere Filme als Produzent: "Oratorio for Prague" (1968), "Je t'aime" (1976), "Nimm's leicht, Mama" (1978),"Inspektor Loulou - Die Knallschote vom Dienst" (1980), "Die verrücktesten 90 Minuten vor Christi Geburt" (1982), "Der Buschpilot", "Ticket ins Chaos", "Die Frau meines Kumpels", "Kollege kommt gleich" (alle 1983), "Les enragés" (1985), "Hôtel de France" (1987), "Der große Blonde auf Freiersfüßen", "Die kleine Diebin" (beide 1988), "Une journée chez ma mère" (1993), "Trennung", "Eine Frau für zwei" (beide 1994), "Mein Hund, der Fußballstar", "Arlette" (beide 1996), "Le pari" (1997), "Mookie" (1998), "Mauvaise passe" (1999), "La boîte" (2001), "Le bison", "Les sentiments" (beide 2003), "Happy End mit Hindernissen", "San-Antonio" (beide 2004), "Le démon de midi", "La maison du bonheur" (2005), "Couscous mit Fisch" (2007).



 Demnächst im TV ...

Donnerstag, 25. Dezember 2014

00:45-02:15 MDR
Zusammen ist man weniger allein
Tragikomödie, Frankreich, 2007
14:05-15:35 Einsplus (ARD digital)
Zusammen ist man weniger allein
Tragikomödie, Frankreich, 2007

Samstag, 27. Dezember 2014

14:40-16:10 Festival (ARD digital)
Zusammen ist man weniger allein
Tragikomödie, Frankreich, 2007
15:25-17:10 Belgien
Inspecteur la Bavure
Komödie, Frankreich, 1980