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Frank Beyer
Seit dieses Verbotes steht Beyer in ständiger Auseinandersetzung mit den Kulturverantwortlichen der DDR. Er wird aus der staatlichen Filmprouktion DEFA entlassen und erhält einen Arbeitsvertrag am Theater in Dresden. Bei seinen Arbeiten als Fernsehregisseur erwehrt er sich immer wieder Behinderungen und erwirkt schließlich 1980 die Erlaubnis, TV-Projekte in der Bundesrepublik zu realisieren. Seither dreht er bis zur Wende in Ost- und Westdeutschland. Der Sohn eines kaufmännischen Angestellten und einer Verkäuferin studiert Theaterwissenschaft, beginnt seine künstlerische Karriere als Theaterpraktikant und Dramaturg an Provinzbühnen und geht dann für fünf Jahre an die Prager Filmhochschule (FAMU). Während seiner Studienzeit assistiert er Kurt Maetzig, beispielsweise für "Schlösser und Katen" (1957). Sein Abschlussfilm ist zugleich das Spielfilmdebut: "Zwei Mütter" (1957), eine eigenwillige Adaptation von Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis": die Geschichte von den beiden Frauen, die sich um das Mutterrecht eines Kindes streiten, spielt bereits - wie viele Frank-Beyer-Filme - vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges mit der Belastung durch den Nationalsozialismus. Frank Beyer, dreht antifaschistische Filme wie "Nackt unter Wölfen" (1963) und "Jakob der Lügner" (1974). Geht es im ersten Film um Widerstand und Solidarität im Konzentrationslager Buchenwald, so steht im Mittelpunkt von "Jakob" ein tragikomischer Held, der durch seine Lügen von der baldigen Rettung das Überleben in unmenschlicher Situation erträglich macht ... Spätestens seit "Karbid und Sauerampfer" (1963), einer kauzigen Reise mit Hindernissen quer durch die DDR, hat er sich als Komödienregisseur etabliert. Neben Gerhard Klein, Joachim Kunert und Konrad Wolf ist er der wichtigste Regisseur der DDR. Seine Filme kommen im Osten und Westen gleichermaßen an, sind aber nicht selten politisch umstritten. So wird im Frühjahr 1977 "Das Versteck" in der DDR nicht aufgeführt, weil Hauptdarsteller Manfred Krug nach Westberlin gezogen ist. Ein Jahr später wird der Film nach harten Auseinandersetzungen Premiere haben. Wieder ein Jahr später wird der TV-Parabel "Geschlossene Gesellschaft" erst nach umfassenden Schnitten zur Aufführung freigegeben, da er "die gesellschaftlichen Verhältnisse grob entstelle". "Der Aufenthalt" wird 1983 auf Grund von polnischen Protesten aus dem Berlinale-Wettbewerb zurückgezogen. Es geht um einen jungen deutschen SS-Mann, der in polnischer Kriegsgefangenschaft unschuldig des Mordes angeklagt wird. 1989, im Jahr der Wende, läuft bei den Berliner Filmfestspielen "Der Bruch" nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase: Berlin, 1946. Ein Ganoventrio hat es auf einen Tresor abgesehen. Der ehemalige Marinekoch Graf liefert den Plan, der arbeitslose Gauner Lubowitz organisiert die Sache. Zur Ausführung holt er den Profi Markward, der als atheistischer Grabprediger ein biederes Leben führt. Zur Tarnung mieten Graf und Lubowitz einen schäbigen Büroraum, gründen eine Scheinfirma und drehen in aller Gemütsruhe das Ding. Doch die Polizei hat Lunte gerochen und der Kommissar, ein alter Sozi mit Misstrauen gegenüber dem Kapital, verdächtigt den Bankdirektor. Als der sich schuldlos erweist, notiert Kommissar Kollmorgen das gelassen: "Nicht jeder Klassenfeind ist ein Kassendieb". Eine kleine Diebesgeschichte mit Neigung zum Anachronismus. Doch die beiden Macher sind Profis und Tüfteler zugleich: in der Liebe zum Detail, in kleinen, feinen, sehr genauen Beobachtungen liegt die Würze: Jede einzelne Figur hat ihr Eigenleben, ihre Persönlichkeit, ihren Pfiff. Der atheistische Grabprediger Markward (Rolf Hoppe) mit dem Schalk in den Augen, der Halbprofi und trockene Witzbold Lubowitz (Otto Sander) und der schmalzige Galan Graf (Götz George) wollen so gar nicht zusammenpassen und trotzdem schaffen sie den Coup - aus Glück. Später dreht Frank Beyer vorwiegend TV-Filme mit gesellschaftskritischen und politischen Themen wie etwa 1991 "Ende der Unschuld" nach einem Buch von Wolfgang Menge über die Deutschen und ihre Atombombe. 1992 folgt "Sie und Er" nach Klaus Poche über die Krise einer Ehe, wenn die erwachsenen Kinder aus dem Haus sind. 1995 dreht er "Nikolaikirche", die Verfilmung von Erich Loests Roman über eine Familie im Kreuzfeuer der Wende, und 1997 betont er in seiner Neuverfilmung von Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" (mit Harald Juhnke), das Schlitzohrige, Ganovenhafte, das bei Helmut Käutners klassischer Verfilmung mit Heinz Rühmann nicht so stark anklang. Schließlich drehte er den Film "Abgehauen" über Manfred Krugs Leben und den Abgang des Schauspielers aus der DDR. Weitere Filme von Frank Beyer: "Wetterfrösche", "Rosnicky" (Kurzfilme von 1954), "Das Gesellschaftsspiel" (Kurzfilm), den l1. der TV-Serie "Fridericus Rex" (beide 1957), "Eine alte Liebe" (1959), "Fünf Patronenhülsen" (1960), "Königskinder" (1962), "Rottenknechte" (1971), "Die sieben Affären der Dona Juanita" (1973), "Der König und sein Narr" (1980), "Die zweite Haut" (1981), "Bockshorn" (1983), "Der Verdacht" (1991), "Das letzte U-Boot" (1992), "Das große Fest" (1992) und "Wenn alle Deutschen schlafen" (1994). |