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Georges Simenon
Ursprünglich - sicherlich auch, um den Vorstellungen seines Vaters gerecht zu werden - wollte Simenon nach seinem Schulabschluss auf dem Lütticher College Saint-Servais Priester werden, versuchte sich als Konditor-Lehrling und in einer Buchhandlung. Doch als er als 16-Jähriger eher aus Neugier Lokal-Reporter bei der 'Gazette de Liege' wurde (er blieb dort bis 1922), wusste er endlich, was er wirklich wollte: schreiben. 1921 erschien seiner erster Roman "Au Pont des Arches", eine kleine humoristische Milieustudie, betitelt nach der Brücke, über die er jeden Morgen zur Arbeit ging. Nach Beendung seiner Wehrzeit zog er 1923 auf Wunsch seiner ersten Ehefrau nach Paris um, wo er zunächst als Feuilleton-Redakteur beim "L'oeuvre" und als Sekretär tätig war, dann aber seinen Lebensunterhalt als freier Schriftsteller bestritt. Zunächst ganz aufs Geldverdienen ausgerichtet, war er anfangs wenig wählerisch in der Qualität seiner Stoffe, schrieb angeblich unter 23 Pseudonymen wie zum Beispiel 'Sim' - Abenteuer-, Liebes- und Gesellschaftsromane, Groschenhefte, Zeitungsreportagen - und sogar Pornographisches. Legendär ist seine außergewöhnliche Produktivität: Pro Tag schaffte er zwischen 80 bis 100 druckreife Seiten, veröffentlichte in dieser Zeit an die 200 Kolportageromane und publizierte ca. 1000 Kurzgeschichten. Alle per Stichworte und Skizzen auf gelben Briefumschläge entworfen. Die genaue Zahl wusste selbst Simenon nicht anzugeben. Ende der Zwanzigerjahre dann die entscheidende Wende: Auf dem Weg hin zu einem ernsthaften Schriftsteller erfand der Autor "Maigret", eine Kriminalroman-Serie, die er bis 1971 auf knapp hundert Werke erweiterte. Mit dem Kommissar Maigret, der es so glänzend versteht, sich in die Atmosphäre des Tatorts und in die Psyche potentieller Täter einzufühlen, schuf Simenon eine der berühmtesten Krimifiguren des 20. Jahrhunderts - und wurde so zum meistgelesenen Autor unserer Epoche (500 Millionen Leser!). Zu den Maigret-Romanen kamen noch ca. 130 sogenannteNon-Maigret-Werke, von denen etliche als literarische Meisterwerke klassifiziert werden. Mehr als 70 Filme und über 100 Fernsehspiele wurden in vielen Ländern nach Simenons Vorlagen gedreht, darunter zum Beispiel "Die Katze" (1971 verfilmt mit Jean Gabin und Simone Signoret), "Mit den Waffen einer Frau" (1958, mit Brigitte Bardot), "Der Präsident" (1961, mit Jean Gabin) und "Die Verlobung des Monsieur Hire" (1946 unter dem Titel "Panik" mit Michel Simon und 1989 mit Michel Blanc). 1973 zog sich Simenon überraschend von seiner Romanarbeit zurück und konzentrierte sich fortan auf autobiographische Schriften, die genauso erfolgreich wurden. Dazu gehören die "Intimen Memoiren" (1981), die Veröffentlichung des Briefwechsels mit Andre Gide (1977) und "Simon auf der Couch" (Ende der 70er), die Niederschrift einer Art Verhör Simenons durch fünf Ärzte im Jahre 1956. Der erfahrungshungrige Schriftsteller ließ sich zeitlebens durch viele Auslandsaufenthalte für neue Stoffe inspirieren, zum Beispiel in Norwegen, Lappland und in einer Reihe afrikanischer Länder. Von 1945 bis 1955 lebte er in Kanada, in den USA (dort entstand u.a. "Maigret in New York" und "Maigret in Arizona") und an der Riviera. 1957 verlegte er seinen festen Wohnsitz in die Schweiz, nach Lausanne, wo er im Alter von 86 Jahren starb. Simenon war in erster Ehe von 1922 bis 1950 mit der Malerin Regine Renchon verheiratet (sie starb 1990) und hatte mit ihr ein Kind: Marc (geb. 1939, Schauspieler und verheiratet mit der Schauspielerin Mylene Demongeot). Sein zweiter Sohn Jean, auch "Jonny" genannt (geb. 1949, lebt in Amerika) entstammt der Ehe mit Denise Quimet (wohnt in der Schweiz), die er 1950 heiratete. Aus dieser Liaison stammt auch Tochter Marie-Jo, die 1978 im Alter von 25 Jahren Selbstmord beging, und der Sohn Pierre (geb. 1959, lebt wie sein Bruder Jean in Los Angeles). Nach der Trennung von Denise fand Simenon bis zu seinem Tod eine neue Lebensgefährtin in seiner früheren Haushälterin Teresa. Weitere Verfilmungen von Simenon-Geschichten |