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Joseph McCarthy

  • Geboren am Sonntag, 14. November 1909
  • Geboren in Grand Chute, Wisconsin, USA
  • Gestorben am Donnerstag, 2. Mai 1957
  • Gestorben in Bethesda, Maryland, USA


Vor ihm war niemand sicher: Joseph McCarthy 
Joseph McCarthy und sein "Senatsausschuss zur Ermittlung von unamerikanischen Umtrieben" machte in den Fünfzigerahren viele politische und sozialkritische Filmkünstler und Filmtechniker in Hollywood arbeitslos, sie wurden gar öffentlich zu Kriminellen gestempelt. Lilian Hellman schrieb in ihrem Buch "Die Zeit der Schurken" über McCarthy, Richard Nixon und deren Helfershelfer: "Die Zeit war reif für eine neue Welle in Amerika, und sie ergriff ihre Chance, das Land nach den Gegebenheiten des Tages am Gängelband zu führen."

Zu McCarthys Zuträgern zählten unter anderem die Schauspieler Ronald Reagan, Gary Cooper, Robert Taylor und Charakterdarsteller Adolphe Menjou, der Produzent Jack Warner oder der Regisseur Frank Tuttle. Als McCarthy tot war, konnten die Opfer der Hexenjagd - soweit sie physisch, psychisch und wirtschaftlich überlebt hatten - ihre Stimme wieder erheben, doch die Gefolgsleute und der Geist von McCarthy haben in den USA überlebt.

Die Aktivitäten in Sachen Kommunistenverfolgung in Hollywood waren übrigens keine Erfindung von Senator McCarthy, er hatte sich nur vor den Karren spannen lassen. Bereits 1938 wurde das "House Commitee on Unamerican Activities" (HUAC) gegründet. Doch erst 1945 wurde der Ausschuss unter Vorsitz von E. Rankin und J. Parnell voll aktiv. McCarthy, Mitglied der Republikanischen Partei und seit 1947 Senator für Wisconsin, tobte sich von 1950 bis 1954 hemmungslos bei der Jagd vermeintlicher Kommunisten aus. Für sein Vorgehen wurde der Begriff McCarthyismus geprägt, später ist gar von der McCarthy-Ära die Rede.

Es begannt mit der Feststellung, dass Charlie Chaplin Sympathien für die Kommunisten hegte. Nach 1947 weitete sich die Aktivität des HUAC auf Hollywood aus, die offizielle Hexenjagd begann, es wurde eine Schwarze Liste erstellt und "Verdächtige" wurden vor das Tribunal gezerrt: "Sind Sie oder waren Sie jemals Mitglied der Kommunistischen Partei? Nennen Sie uns Namen von ehemaligen oder noch aktiven Kommunisten?" waren die zentralen Fragen.

Die standhaft blieben, wurden arbeitslos oder sogar verhaftet - wie die "Hollywood Ten", jene standhaften Künstler, die man über Jahre mundtod machte: Alvah Bessie, Herbert Bibermann, Lester Cole, Edward Dmytryk, Ring Lardner jr., John Howard Lawson, Albert Maltz, Samuel Ornitz, Adrian Scott und Dalton Trumbo. Andere arrangierten sich wie Elia Kazan, der in einer Anzeige zur Denunziation aufrief. Edward Dmytryk, einer der "Zehn", lenkte ein und nannte vor dem Ausschuss Namen. Wieder andere arbeiteten unter Pseudonym, wie Robert Rossen, Joseph Losey und Carl Foreman.

Wer dem Ausschuss seine Mitarbeit versagte, konnte auch - bis 1959 - nicht für den Oscar nominiert werden, und auch in Europa hatten die auf der Schwarzen Liste genannten Filmschaffenden keine Arbeitschance: Die Hexenjagd hatte einen langen Arm. Die Existenz der Schwarzen Liste wurde übrigens offiziell immer verleugnet, doch dafür sprechen unzählige Entlassungen namhafter Künstler. 1954 wurden die äußerst rüden Methoden McCarthys öffentlich durch den Senat missbilligt. Senator McCarthys Popularität schwand danach rasch.

1976 drehte der junge amerikanische Dokumentarfilmer David Helpern einen Dokumentarfilm, der unter dem Titel "Hollywood on Trial" - "Hollywood vor Gericht" - nicht nur exakt die Verfolgungen unter McCarthy nachvollzieht, sondern eine Vielzahl von Aussagen der Opfer und Täter einblendet. So sagt zum Beispiel Ronald Reagan im Gespräch mit Helpern: "Diese Aktivität des Kommitees kommt nicht von Hollywood. Es war das amerikanische Volk, das nichts mit Kommunisten zu tun haben wollte. Die Menschen hier bei uns wollen einfach kein Geld ausgeben, um Filme von Kommunisten zu sehen."

Zahlreiche Verhöre werden zitiert, unter anderem von Bertolt Brecht, Dalton Trumbo oder dem McCarthy-Befürworter Walt Disney. Zu den Interviewten gehören auch Lester Cole, Jules Dassin, Otto Preminger oder Zero Mostel. 1976 dreht auch Martin Ritt den Spielfilm "Der Strohmann", in dem Woody Allen einen Mann spielt, der seinen Namen für das Drehbuch eines Kommunisten verkauft. In einer Nebenrolle ist auch Zero Mostel zu sehen - als Komiker, der sich wegen der Hatz das Leben nimmt.