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Jürgen Vogel
Der Schauspieler gilt als der "angry young man", der den Mund aufmacht, der nicht nach Kritikerlob heischt und unbequem ist, wenn es sein muss. Im Alter von zwanzig Jahren wird Jürgen Vogel Vater einer Tochter, um die er sich, trotz Trennung von der Mutter, kümmert. Die Figuren, die Jürgen Vogel in seinen Filmen verkörpert, sind keine Helden, sie besitzen keinen außergewöhnlichen Mut, verfolgen keine hehren Ziele und verfechten auch keine ganz besonderen Ideen. Es sind authentische Figuren, Menschen, die durch das Leben stolpern, hinfallen, wieder aufstehen, liegen bleiben. Vogels Repertoire erinnert an ein Straftatenregister bei der Polizei, er ist Dealer, Mörder, Kidnapper, Autoschieber und vieles mehr. In "Dann eben mit Gewalt" ist er ein faschistoider Gymnasiast, der nur mit Gewalt und Distanzlosigkeit agiert, der andere Menschen terrorisiert und bereit ist, deren Leben zu ruinieren. Ähnlich zerstörerisch verhält sich der fanatische Fan des Fußballclubs Hansa Rostock in "Schicksalsspiel" (1993), der versucht, die Liebe seiner Schwester zu einem Anhänger des verfeindeten FC St. Pauli zu verhindern. Irgendwo am Rande der Wiedervereinigung herrscht Krieg, da hat die Liebe keinen Platz. Jürgen Vogel spielt diese Figuren mit soviel Hass auf alles um sie herum, dass man die Bereitschaft, alles niederzumachen, was ihnen in die Quere kommt, förmlich spürt. Gleichzeitig entlarvt der Schauspieler jeden Faustschlag, jede Schimpftriade als Reaktion auf eine widrige Umwelt, als Konsequenz einer verheerenden Kindheit. Er macht Gefühle sichtbar, die unter einer knallharten Oberfläche brodeln. Es sind Charaktere, die sich am Rande eines tiefen Abgrunds bewegen. In dem Fernsehfilm "Angst" ist der Abgrund die Vergangenheit seiner Frau, die vom eigenen Vater geschlagen, missbraucht und geschwängert wurde. Jürgen Vogel in der Rolle des liebenden Ehemannes und Vaters, der von einem kleinen Glück träumt. Ganz das Gegenteil der harten Jungs, die man von ihm kennt, aber wieder eine Figur, die von der Verzweiflung getrieben zu einer verheerenden Tat schreitet: Er ermordet den Vater seiner Frau, als er aus dem Gefängnis kommt, um sie von ihrer panischen Angst zu befreien, um sie und seine Kinder zu schützen. Gewalt ist aber nur die äußere Form, hinter der eine Seele verborgen ist, sie lenkt ab von der Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen. Manchmal spielt Vogel diese Unfähigkeit pur, beispielsweise in "Ausgerechnet Zoé" (1994), als junger Mann, der ein Verhältnis mit einem aidskranken Mädchen anfängt (Nicolette Krebitz, mit der Jürgen Vogel schon mehrmals vor der Kamera stand). Auch der Kaufhausdetektiv in "Die Schamlosen", der nicht in der Lage ist, eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen und eine verbotene Liebe mit seiner Schwester unterhält, scheitert letztendlich an der eigenen Unfähigkeit, wirklich und ehrlich zu lieben. Vogel schafft klare Charaktere, sie machen deutlich: Es gibt Erlebnisse, die die Menschen zu dem machten, was sie sind. Ohne zu psychologisieren, ohne einen Wortschwall von Deutungen, erklären die Haltung, der leicht gehetzte Blick, die unbeherrschte Stimme und ein Gesichtsausdruck, in dem sich vergangene Erlebnisse, Wut und Ängste widerspiegeln, das Verhalten der Personen. Ob jugendlicher Krimineller, Schauspielschüler oder Liebhaber in einer wild eskalierenden Dreiecksbeziehung ("Stille Nacht", 1995), immer sind es gebrochene Charaktere, die verzweifelt versuchen, einen Platz im Leben zu finden. Demnächst im TV ...
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