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George Miller
- Geboren am Freitag, 19. Oktober 1945
- Geboren in Brisbane, Queensland, Australien
Vom zynischen Gewaltspektakel "Mad Max" (1979) über den australischen Western auf den Spuren eines John Ford und Sam Peckinpah ("Mad Max II", 1981) bis zur kuriosen Mischung aus Trivial-Action und Shakespeareschen Königsdrama ("Mad Max III", 1985) hat der australische Regisseur George Miller die Kinozuschauer schon sehr verwirrt.Als er aber 1986 gar mit der verrückten Horrorgroteske "Die Hexen von Eastwick" einen armseligen Bösewicht wie Jack Nicholson von dem bösen Frauen-Trio Cher, Michelle Pfeiffer und Susan Sarandon malträtieren ließ, war man völlig verwirrt und konnte George gar nicht mehr einordnen. Dann knüpft er allerdings an seine frühere Profession an und drehte "Lorenzos Öl" (1992), einen Film über ein medizinisches Thema.
Miller hat in der University of New South Wales Medical School Medizin studiert und war neben der Filmtätigkeit bis vor kurzem Unfallarzt. Nach dem Medizinstudium belegte er Dramaturge und Regie an der Melbourne University bei Phillip. Millers Aufstieg im Filmgeschäft hing eng mit seinen Freunden, dem Schauspieler Mel Gibson und dem Produzenten und Coautoren Byron Kennedy zusammen, der bei einem Hubschrauberabsturz 1983 ums Leben kam.
Weitere Filme von Miller: "Schweinchen Babe in der großen Stadt" (1998).
Gespräch mit George Miller
Prisma: Wie kommt man vom Arzt zum Filmemacher?
George Miller: Ach, so ungewöhnlich ist das nicht. Schon in meiner Jugend interessierte ich mich für künstlerische Ausdrucksweisen, ich malte und zeichnete ein bißchen und saß jeden Sonntag im Kino. Als ich 1971 gemeinsam mit meinem Zwillingsbruder vor dem medizinischen Examen stand, hatten wir einen kurzen Film zu einem Wettbewerb eingereicht und einen Preis erhalten. Aber ich dachte - schon allein wegen der Situation im Australien der frühen 70er Jahre nicht an eine Karriere auf diesem Gebiet, das war damals aussichtslos, denn es gab keine richtige Filmproduktion. Ich entschied mich für den Arztberuf. Dann lernte ich in der Klinik den Kollegen Byron Kennedy kennen, mit dem ich gemeinsam weiter Filme drehte, als Freizeitbeschäftigung am Wochenende - und ich arbeitete unter der Woche als Arzt. Da gab es eines Tages eine Schwerpunktverschiebung: Ich begann wochentags Filme zu drehen und arbeitete am Sonntag als Arzt. Gemeinsam mit Kennedy gründete ich eine Produktionsfirma. Und als unserer erster Film "Mad Max" ein Erfolg wurde, war die Entscheidung gefallen. Man kann ja nicht beiden Berufen nachgehen. So gab es nur noch den Filmemacher George Miller.Prisma: 1992 folgte mit "Lorenzos Öl" - zumindest thematisch - eine Rückkehr mit einem Thema, das ohne medizinischen Sachverstand hätte schrecklich werden können?
George Miller: Das stimmt. Allerdings interessierte mich an dem Stoff mehr der menschliche Aspekt, die Frage der Zivilcourage: Wie setzt man sich als einzelner, der keine Zeit hat, gegen die Normen durch, wie kann man das Tempo beschleunigen? Natürlich war meine medizinische Vergangenheit der Motor, aber ich versuchte das mit meinem Gefühl fürs Action-Kino zu kombinieren: Ich drehte eine Art medizinischer Detektiv-Geschichte mit Mystery-Touch. Ein bißchen hat Augusto Odonos Geschichte und sein Weg von totaler Unwissenheit zur Erkenntnis mit guter Science Fiction zu tun. Wir stehen ja immer unter dem Einfluß von Autoritäten, seien es Ärzte, Politiker oder Juristen - obwohl sie auch Menschen sind. Irgendjemand in den USA beschrieb die Story als die eines Serienkillers, der herumgeht und Kinder tötet. Die Eltern gehen zu den Cops, also den Gesundheitsverwaltern und die sagen, sie können nicht gegen ihn ankommen, da werden die Eltern selbst Detektive und besiegen den Killer. Das ist eine Seite der Geschichte. Was mich besonders interessierte, war die emotionale Seite: Die Odonos geraten durch alle hindurch: Liebe und Haß, Wut auf Gott und das Schicksal - aber auch Wahnsinn, Leidenschaft und ganz großen Mut. Das hat auch viel mit der Oper zu tun. Verschiedene Elemente kämpfen gegeneinander: auf der einen Seite die Fakten, das Authentische, auf der anderen Seite die Partitur der Leidenschaften - wie im wirklichen Leben. Der Film hält sich im Grunde sehr stark ans Reale, sehr wenig wurde verändert. Jede gute Geschichte berührt den ganzen Menschen, den Intellekt, das Herz, den Verstand. Ich muß sagen, ich war schon sehr stolz auf die Arbeit angesichts der Tatsache, daß die Leute sich lange nachdem sie das Kino verließen, noch mit der Geschichte befaßten.Prisma: Die Schulmedizin reagierte bekanntlich nicht sehr begeistert auf Aktivitäten wie die des Vaters, der versucht, das Schicksal seines Kindes in die eigene Hand zu nehmen und dann auch noch erfolgreich zu sein.
George Miller: Das stimmt - und stimmt auch wieder nicht. Im Krankenhaus habe ich immer den Patienten als Partner gesehen und mit ihm gemeinsam versucht, seine Probleme zu lösen. Ich halte nichts davon, mich hinter den Schreibtisch zu setzen und zu diktieren. Es gibt glücklicherweise heute eine Reihe von Ärzten, die so denken wie ich. Ich habe von Ärzten aus aller Welt Briefe erhalten zu diesem Film. Ich habe einen Zwillingsbruder, der Arzt ist und ein jüngerer Bruder ebenfalls und ich habe viele Freunde, die so denken. Und es sind gute Ärzte, die solche Prozesse des Engagements erlauben, wie gute Politiker, gute Anwälte. Und das Faszinierende ist: die Medizin macht Fortschritte, wenn der Patient sich engagiert, denn gerade durch die Mitarbeit wächst die Motivation - jeder ist auf die Mitarbeit der anderen angewiesen.Prisma: Die Story von den Odonis, die sich nicht einfach damit abfinden, daß ihr kleiner Junge nur noch kurz zu leben hat und die durch ihre Energie und Tatkraft eine ganze Welle in Bewegung setzen, lebt natürlich auch von den Figuren, den Darstellern.
George Miller: Bei Nick Nolte war das einfach, als ich Augusto Odono das erste Mal traf, dachte ich sofort an ihn. Sie sind sich sehr ähnlich, nur Nolte ist kein Italiener, er sieht aber so aus, er war einfach der Typ von Mann, der das durchpowert. Bei Michaela war das schon anders. Michelle Pfeiffer war vorgesehen. Sie ist die starke Persönlichkeit, doch sie war für mich nicht die irisch-katholische Frau, vor allem nicht die vehemente Mutter, die hier überzeugen mußte. Susan Sarandon hatte beides, das irisch-katholische Temperament und den Mutterinstinkt, sie war geradezu eine Tigerin, eine Art Kamikaze-Kämpferin mit voller Kraft voraus.Prisma: Glauben Sie daran, daß man mit Filmen etwas verhindern kann?
George Miller: Jede Kunst kann helfen die Welt zu verändern, - aber nur ein ganz bißchen. Um etwas zu bewirken, braucht es das Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Kräfte.Prisma: Sie haben in Australien viel Fernsehen gemacht. Drehen sie weiter fürs Fernsehen?
George Miller: Das ist ein wenig kompliziert: Unsere Fernsehstation wurde vom reichsten Mann des Landes übernommen und er wünscht eine totale Kontrolle über das, was über den Bildschirm geht. Wir sagten nein und da versuchte er, unsere Verträge zu brechen. So mache ich jetzt mehr Filme fürs Kino. Ich lebe aber in Sydney und dort mache ich auch die Endproduktion.
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