-
Helmut Berger
(Helmut Steinberger)
- Geboren am Montag, 29. Mai 1944
- Geboren in Bad Ischl, Österreich
Helmut Berger prägte den Begriff des Bisexuellen für das Kino wie kaum ein anderer. Dies zeigte er mit seinen exponierten Figuren bei Luchino Visconti ebenso wie in trivialeren Filmen wie die Titelfigur des ewig jungen Dandy in Massimo Dallamanos Softversion von Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray" (1969) oder der SS-Scherge in Tinto Brass' "Salon Kitty" (1976).Helmut Berger in "Das Bildnis des Dorian Gray" 
Bergers Vorteil war, dass er so dem neuen Trend im europäischen Kino, sexuelle Tabus zu brechen und sich vor allem mit Homosexualität auseinanderzusetzen. Dabei galt es natürlich auch dieses Thema und die damit verbundene 'neue Freizügigkeit' kommerziell auszunutzen. Bergers Gefühl für exzessiv präsentierte Körperlichkeit hat mit seiner klassischen Schönheit, der Exzentrik und Eleganz mit dem Hauch des Morbiden in seiner narzisshaften Erscheinung zu tun, wie auch mit seiner Lebensgeschichte. Deren Authentizität sollte man allerdings in manchem misstrauen, weil er zu jenen Personen des öffentlichen Lebens gehört, die gerne auch kleine Varianten und Widersprüche in ihre Biographie einbringen.
Sicher ist, dass Berger seine Kindheit und Jugend im Salzburg verbrachte, dass er die strenge Franziskaner-Schule in Feldkirch besuchte und sich nach dem Abitur völlig dieser genormten Welt entzog. In Paris und London trat er als Dressman und Fotomodell in Erscheinung, was zahlreiche Werbefilme belegen. 1965 studierte er in Perugia, war alsbald Filmstatist in der Cinecittà und wurde das erste Mal von Luchino Visconti in einer kleinen Rolle in dessen satirischer Episode "Hexen verbrennt man lebendig" aus dem Film "Hexen von heute" (1966) besetzt. Zwischen Visconti und Berger entstand eine tief emotionale Beziehung, die sich - unabhängig von den vielen bösen zwielichtigen Skandalen und Gerüchten in der Boulevard- Presse - für den Schauspieler sehr fruchtbar auswirkte.
Bergers Darstellung des Martin von Essenbeck in Viscontis ersten Film der 'deutschen Trilogie' "Die Verdammten" (1969, auch "Götterdämmerung") eröffnete seine explosiv exemplarische Star-Karriere. In der verschlüsselten Familiensaga des Industriellen Krupp wird die Beziehung zwischen Sexualität und Politik sowohl rekonstruiert, als auch auf die Gegenwart bezogen dargestellt. Martin ist der bisexuelle, mutterhörige Protagonist. Die Privilegien seines ungezügelten Trieblebens bezahlt er mit der totalen Bindung mit den Machthabern, denen es auf unterschiedliche Weise in Deutschland gelingt, die Rüstungssindustrie wie die Chemiekonzerne in die Hand zu bekommen.
Berger gelingt es auch in einem ungewöhnlichen Balanceakt zwischen exzessiver und zurückhaltender Spielweise den exzentrischen König "Ludwig II." (1972, wiederum unter der Regie von Visconti) zu mimen. Sehr sensibel und eindringlich sind jene Szenen, die er gemeinsam mit Romy Schneider hat, die hier Ludwigs Kusine Elisabeth von Österreich spielt. Berger zeigt die ganze Facette von intellektuellem Feinsinn bis zu depressiven Verfolgungswahn. Und nocheinmal sieht man ihn - diesmal aber nur in der zweiten Riege - neben Burt Lancaster und Silvana Mangano als Student Konrad in Viscontis "Gewalt und Leidenschaft" (1974).
Immer aber spürt man bei Bergers Spiel, dass ihm Selbstdisziplin und schauspielerische Vielfalt unter einem einfühlsamen Regisseur gelingt. So ist auch seine Darstellung des TV-"Fantomas" (1979) in den von Claude Chabrol inszenierten Folgen ungleich dämonischer und eindringlicher als in den übrigen Serien-Teilen. In den 80er Jahren sieht man Berger vorwiegend in Fernsehfilmen, darunter auch in einigen Episoden der Serie "Denver Clan" (1981). 1993 fasziniert er nocheinmal in "Ludwig 1881", dem eindringlichen Werk des aus der Schweiz stammenden Kölner Bruderpaares Fosco und Donatello Dubini, als Bayern-König. Diesmal auf sehr viel lockere, undämonische Art
Weitere sehenswerte Filme mit Helmut Berger: "Der Garten der Finzi Contini" (1970), "Die Gefräßigen" (1972), "Reigen" (1973), "Ash Wendesday" (1973), "Die romantische Engländerin" (1975), "Das fünfte Gebot" (1977), "Der Tollwütige" (1977), Die Rosen von Danzig" (1979), "Codename: Emerald" 1985), "Lenz oder die Freiheit" (1986, TV), "Der Pate III" (1990) und "Die Dreyfus-Affäre" (1994, TV).
Copyright © Prisma-Verlag GmbH & Co KG

