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Shirley Temple
(Shirley Jane Temple)
- Geboren am Montag, 23. April 1928
- Geboren in Santa Monica, Kalifornien, USA
Sie ist vorlaut, ein bisschen wie eine Puppe mit Lockenkopf. Sie tanzt und singt und erobert mit ihrer Naivität die Herzen der Menschen. Shirley Temple ist das Findelkind Ching-Ching zwischen China und Amerika in William A. Seiters "Sonnenscheinchen" (1936), sie ist die Priscilla in John Fords "Rekrut Willie Winkie" (1937) und die "Heidi" (1937) bei Allan Dwan, als angehender Star neben Randolph Scott in Allan Dwans "Shirley auf Welle 303" (1937).Wonneproppen in Diensten des Patriotismus: Shirley Temple 
Shirley Temple besucht die Westlake School for Girls. Mit vier Jahren spielt sie in einer parodistischen Kurzfilmserie für Educational Pictures mit. Popularität erlangt sie durch ein Lied in McFaddens "Stand Up and Cheer". 1934 macht Fox mit ihr einen Vertrag. Im gleichen Jahr erhält sie schon einen Spezial-Oscar.
42 Spielfilme hat sie gedreht, als sie 21 Jahre alt ist, zehn Jahre lang zählt sie zu den zehn zugkräftigsten Kassenstars Hollywood und die Serienprodukte - Herstellungskosten nicht mehr als dreihunderttausend Dollar - bringen der amerikanischen Fox Millionengewinne: Kinderstar Shirley Temple ist ein Stück amerikanischer Traum und Wirklichkeit. Ihr Konterfei verziert Shampoo, Seifen- und Waschmittel-Verpackungen, die Shirley-Temple-Puppe ist ein wichtiges Requisit in jedem amerikanischen Haushalt, vor allem aber verkörpert sie das gute Gewissen der Vereinigten Staaten.
Sie ist oft die Halbwaise, deren Filmväter in diversen Kriegen ihren Mann stehen, während die Tochter zu Hause tapfer und im Glauben an die Gerechtigkeit ausharrt, bis Daddy zurückkehrt. Die sechs-, acht- oder zehnjährige Shirley begnügt sich dabei nicht nur mit passivem Warten auf die Heimkehr des Helden, sie stützt auch die Mutlosen zu Hause, hilft den Unterdrückten, kämpft mit den unwiderstehlichen Waffen des Kindes gegen jede Art von Unrecht. Sie ist sogar lieb zu den "dummen, einfältigen Negern", die nicht bis drei zählen können.
"Werden wir den Krieg gewinnen?" fragt Virgie, die Tochter von Captain Carry in "Der kleinste Rebell" (1935), und der Vater antwortet, wirkt skeptisch, meint aber beruhigend: "Jeder muss seinen Teil leisten!" Und als Captain Carry seiner Frau kurz vor ihrem Tod den Vorwurf macht, dass sie nicht über die Not zu Hause gesprochen hat, bekommt er die heroische Antwort: "Diese Aufgabe haben wir Frauen im Krieg zu erfüllen!" Captain Carry ist Kundschafter der Konföderierten und ständig in Lebensgefahr, aber der Colonel der Unionstruppen wird beim Anblick von Virgie an seine eigene Tochter erinnert, und rettet wider alle soldatische Vernunft und Pflichterfüllung den Daddy. Als am Ende alles für die beiden Offiziere noch böse auszugehen droht, stellt Präsident Abraham Lincoln der tapferen kleinen Virgie gleich für beide Väter die Begnadigung aus - so großen Eindruck hat die kleine Amerikanerin auf ihn gemacht.
Neben Jackie Coogan, Freddy Barthelmess und Roddy McDowall ist Shirley Temple der verkaufsaktivste Kinderstar. Mit mehr als dreihunderttausend Dollar erreicht sie 1937 das siebthöchste Jahreseinkommen in den USA, mit dem Werbe-Nebengeschäft kassiert die Familie nochmal 30000 Dollar im Monat.
Wenn in den Filmen Präsident Lincoln von der Kleinen begeistert ist oder in "Die kleine Prinzesssin" sogar Queen Victoria auftaucht und Shirley bei der Suche nach ihrem Vater-Kriegshelden hilft, so ist das nicht ganz so utopisch: Die wahre Shirley lässt sich auf dem Schoß von Franklin D. Roosevelt fotografieren, und sie selbst kommentiert ihre Wirkung auf die Zuschauermassen politisch: "Wenn die Stimmung der Leute in den Depressionsjahren ganz unten ist, kann man für 15 Cent ins Kino gehen und das lachende Gesicht eines Kindes sehen, das einem die Sorgen vergessen hilft! Ist das nicht wundervoll?"
Shirley Temple ist genau zur rechten Zeit im Filmgeschäft, ihr Erscheinen rettet die Produzenten vor einer großen Krise, denn es gilt in den harten Schicksalsjahren der Vereinigten Staaten, saubere Filme mit moralisch-kämpferischern Botschaften zu drehen. Und das schafft sie auf überzeugende Weise.
Beispielsweise fällt bei fünf Filmen auf, dass sie sich kaum voneinander unterscheiden, dass nur wenig Regiepersönlichkeit zu erkennen ist - nicht einmal in John Fords "Rekrut Willie Winkie", wo die Produzenten kurzerhand aus Rudyard Kiplings Heldenkind ein Mädchen gemacht haben, das die Kampfeswut des bösen Derwischs ("Zwischen deinem und meinem Volk kann nur Krieg sein!") mit den Worten bannt: "Ich glaube, ihr seid alle sehr gemein!" Und wirklich: Shirley schafft es, dass der konservative schottische Großvater friedlich und unbelästigt den Berg hinaufsteigt zum Wohnsitz des Derwischs und über Frieden verhandelt, während die Kleine schläft: "Mein Gott, das ist ja wie ein Wunder!" ruft der greise Cecil Aubrey Smith aus, "jetzt wollen wir miteinander sprechen, aber sehr leise, damit sie nicht aufwacht."
Alles dreht sich in den Filmen um Shirley. Sie ist die Gerechtigkeit, Tapferkeit, sie ist das Vertrauen der Nation, sie ist die "kleine Prinzessin", die der Todesnachricht des Vaters nicht traut, "weil es nicht sein kann". "Mein Daddy lebt"! ruft sie zornig und widerspenstig der bösen Internatsleiterin ins Gesicht, und siehe da, ihr Glaube versetzt Berge: Im Lazarett, wohin täglich neue Verwundete aus dem Burenkrieg zurückgebracht werden, findet sie auch den Mann, der das Gedächtnis verloren hat und nur "Sarah" murmeln kann. Und Sarah schließt den Vater in die Arme, kann mit ihrer Kraft die Gedächtnislücke mit einem Schlag auffüllen und verlässt an der Seite des geliebten Daddys den schaurigen Platz, nicht ohne dass Quenn Vikoria ihr ein freundliches Lebewohl zuflüstert.
Die Kinder, die Shirley verkörpert, müssen Schweres durchmachen. Doch immer wieder ist es das kleine Mädchen, das die Erwachsenen durch ihr Selbstvertrauen, ihre Stärke verblüfft: "Sarah, du bist die Tochter eines Soldaten. Und von dir erwartet man, dass du mutig bis, was auch immer geschieht!"
Mit Shirleys erstem Technicolorfilm "Die kleine Prinzessin" (1939), der auch von der Kritik mit Achtung aufgenommen wurde, war allerdings ihr Ruhm nicht mehr auf der Höhe. MGMs "Das zauberhafte Land" (1939) mit Judy Garland, dem neuen Stern am amerikanischen Filmhimmel, überflügelte mühelos den Erfolg des Shirley-Temple-Films, und als Amerikas Wunderkind schließlich sogar in "Fräulein Winnetou - Susannah of the Mounties" (1939) unsympathische Züge annimmt, sich als Querulant gibt, mit einem Indianer Blutsbrüderschaft schließt und sich in Randolph Scott verliebt, ist der Traum ausgeträumt.
Shirley, "das Produkt ihrer Mutter", wie Hollywoodregisseur Allen Dwan sagt, dreht danach noch mehrere Teenager-Rollen, doch ihre große Karriere ist mit dem Vertragsende bei der Fox beendet.
Mit dreißig tritt Shirley Temple noch einmal in TV-Shows auf, 1969 macht sie Präsident Nixon zur US-Delegierten in der UN-Vollversammlung, fünf Jahre später schickt sie Präsident Ford als Botschafterin nach Ghana (1974 bis 1976). 1976/77 ist sie Protokoll-Chefin und 1989 Botschafterin in Prag. Ihre Memoiren "Child Star" erscheinen 1988.
In Shirley Temples Filmen spiegelt sich der amerikanische Geist: Sie sind geprägt vom kämpferischen Heroismus der Nation, die das Indianermassaker, Korea und Vietnam möglich macht und von jenem gemäßigten Rassismus, der den dummen Negersklaven oder die idiotischen Indianer zwar nicht verteufelt, sondern ihnen gnädig die Torheiten nachsieht. "Was eigentlich Sklavenbefreiung heißt, weiß ich auch nicht mehr", sagt das Faktotum in "Der kleinste Rebell".
Weitere Langfilme mit Shirley Temple: "Red Haired Alibi" (1932), "Out All Night", "To The Last Man" (beide 1933), "Mandalay", "Carolina", "Now I'll Tell", "Change Of Heart", "Die Glückspuppe", "Shirley's großes Spiel", "Treffpunkt: Paris!", Bright Eyes" (alle 1934), "The Little Colonel", "Unser kleines Mädchen", "Curley Top", "Shirley Ahoi" (alle 1935), "Poor Little Rich Girl", "Dimples" (beide 1936), "Little Miss Broadway", "Just Around The Corner" (beide 1938), "The Blue Bird" (1939), "Young People" (1940), "Papa braucht eine Braut" (1941), "Miss Annie Rooney" (1942), "Als du Abschied nahmst", "Ich werde dich wiedersehen" (beide 1944), "Küsse und verschweig mir nichts!" (1945), "Honeymoon", "So einfach ist die Liebe nicht", "That Hagen Girl" (alle 1947), "Bis zum letzten Mann" (1948), "Adventure in Baltimore", "Herr Belvedere kann alles besser", "The Story Of Seabiscuits" und "A Kiss For Corliss" (alle 1949).
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