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Wolfgang Staudte

  • Geboren am Dienstag, 9. Oktober 1906
  • Geboren in Saarbrücken, Deutschland
  • Gestorben am Donnerstag, 19. Januar 1984
  • Gestorben in Maribor, Jugoslawien, heute Slowenien

Er ist einer der großen Regisseure des deutschen Nachkriegskinos, der mit Werken wie "Die Mörder sind unter uns" und "Der Untertan" deutsche Filmgeschichte schrieb: Wolfgang Staudte. Der Sohn des Schauspielers und Autors Fritz Staudte - den er oft in seinen Filmen besetzte - wurde in Saarbrücken geboren, ging aber bereits 1912 mit seinen Eltern in die brodelnde Metropole Berlin. Erst Theaterrollen erhielt er schließlich unter Regieikone Max Reinhardt, trat aber bald auch schon in dem noch jungen Tonfilm auf. So spielte er eine seiner ersten Rollen in dem Kurzfilm "Ins Blaue hinein" an der Seite von Theo Lingen. Und man glaubt es heute kaum: Staudte spielte ungenannt kleine Rollen in zwei der berühmtesten Filme aller Zeiten: Sternbergs Melodram "Der blaue Engel" mit Emil Jannings und Marlene Dietrich sowie Lewis Milestones später in Deutschland verboteter Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" nach Erich Maria Remarque.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde das deutsche Kino nach und nach gleichgeschaltet, Staudte drehte seinen ersten Kurzfilm "Jeder hat mal Glück" und bald jede Menge Werbefilme, spielte aber auch in nationalen oder gar antisemitischen Hetzfilmen. Sogar für Veit Harlans "Jud Süß" (1940) stand er vor der Kamera. Seinen ersten langen Spielfilm drehte Staudte 1943 mit dem Zirkusfilm "Akrobat Schööön!". Es ist die Geschichte eines Clowns - verkörpert von dem legendären Clown Charlie Rivel, der durch Empfehlung einer Freundin nach langer Arbeitslosigkeit wieder ans Varieté kommt - allerdings nicht als Künstler, sondern als Bühnenarbeiter. Nachts, vor leeren Stühlen, probt er seine Nummer und hofft auf seine Chance als "Akrobat Schööön". In diese Zeit des bereits bevorstehenden Untergangs fällt auch Staudtes letzte Rolle als Schauspieler in Robert A. Stemmles Sportfilm "Das große Spiel" (1942).

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erreichte Staudte den Höhepunkt seiner Regiekarriere. Mit dem ersten DEFA-Spielfilm, den oben bereits genannten "Die Mörder sind unter uns" inszenierte Staudte 1946 den ersten deutschen Nachkriegsfilm überhaupt. In der Hauptrolle: die unvergessene Hildegard Knef, die später der Superstar des deutschen Nachkriegskino werden sollte.

Nach der Satire "Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B." (1948) arbeitete Staudte vor allem für die ostdeutsche DEFA, so bei dem Gesellschaftsdrama "Rotation" (1948) und bei dem ebenfalls schon genannten "Der Untertan" (1951). Selten sind der kleinbürgerliche Mief, die ungeheure Doppelmoral und der unheilvolle Untertanengeist eindringlicher gezeigt worden als in dieser Satire. Hervorragend war auch Staudtes nächste Regiearbeit, das Sozialdrama "Leuchtfeuer" (1954), in der er sich erneut mit der Beziehung zwischen individuellem und kollektivem Schicksal, individueller Verantwortung und kollektiver Schuld befasste. 1955 verließ Staudte die DEFA und siedelte in die Bundesrepublik über, wo er 1956 das Melodram "Rose Bernd" mit Maria Schell und Raf Vallone inszenierte: Rose Bernd ist mit ihrem Vater durch den Krieg aus Schlesien nach Westdeutschland verschlagen worden und arbeitet als Magd für den Gutsherrn Christoph Flamm. Sie betreut auch dessen gelähmte Frau Henriette, die nicht ahnt, daß ihr Mann das hübsche, temperamentvolle Mädchen heimlich umwirbt. Wieder mit der Knef drehte er anschließend das Abenteuer "Madeleine und der Legionär", das allerdings inhaltlich doch etwas durcheinander und auch nicht unbedingt glücklich besetzt. war.

Erneut eine brillant gespielte Zeitkritik inszenierte Staudte mit dem Nachkriegsdrama "Rosen für den Staatsanwalt" (1959), in dem er nach einem authentischen Fall ein bitteres, aber äußerst realistisches Bild der frühen Bundesrepublik entwarf. In der Folgezeit inszenierte Staudte mehr und mehr für das neue Medium Fernsehen, dass nun auch in breiteren Bevölkerungskreisen Zuspruch fand. So drehte er mehrere Episoden erfolgreicher Krimiserien wie "Der Kommissar" mit Erik Ode oder auch "Tatort". Ein großer Wurf gelang ihm noch einmal mit dem TV-Vierteiler "Der Seewolf" (1971), der seinerzeit alle Zuschauerrekorde brach und seinen Hauptdarsteller Raimund Harmstorf über Nacht zum Star machte.

Weitere Filme von Wolfgang Staudte: "Ich hab' von dir geträumt" (1943), "Der Mann, dem man den Namen stahl" (1945), "Gift im Zoo" (1951), "Die Geschichte des kleinen Muck" (1953), "Der Maulkorb" (1958), "Der letzte Zeuge", "Kirmes" (beide 1960), "Die Dreigroschenoper", "Die Rebellion" (beide 1962), "Herrenpartie" (1963), "Ganovenehre" (1966), "Die Herren mit der weißen Weste", "Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache" (1971), "Die Rache", "Marya Sklodowska-Curie. Ein Mädchen, das die Welt veränderte" (1972), "Verrat ist kein Gesellschaftsspiel", "Nerze nachts am Straßenrand" (alle 1972), "Tatort - Tote brauchen keine Wohnung" (beide 1973), "Ein fröhliches Dasein" (1974), "Schließfach 763", "Lehmanns Erzählungen", "Kommissariat IX" (Serie), "Lockruf des Goldes" (alle 1975), "Prozess Medusa", "Um zwei Erfahrungen reicher", "Tatort - Zwei Leben" (alle 1976), "Tatort - Spätlese" (1977), "Der eiserne Gustav" (Serie), "Das verschollene Inka-Gold", "Feuerwasser", "Zwischengleis" (alle 1978), "Tatort - Die Kugel im Leib" (1979), "Tatort - Schussfahrt", "Tatort - Schönes Wochenende", (beide 1980), "Tatort - Freiwild" (1981), "Die Pawlaks - Eine Geschichte aus dem Ruhrgebiet" (1982), "Satan ist auf Gottes Seite", "Nordlichter: Geschichten zwischen Watt und Wellen" (beide 1983), "Der Snob" (1984), "Der eiserne Weg" (TV-Mehrteiler, 1985).